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‚Ich bin jetzt glücklich. Dieses Mimimi macht mich ja sonst noch mal irgendwann ganz wahnsinnig.‘

So ungefähr sahen meine Gedanken Ende des letzten Jahres aus.

Eigentlich war ich immer schon ein überdurchschnittlich glückliches Mädchen. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich anfing, mich auch beruflich dem Thema Glück zu widmen. Ich machte eine Ausbildung zur zertifizierten Hypnotherapeutin und begann anderen Menschen dabei zu helfen ihre Probleme zu lösen. An sich eine super Sache, die mir auch Freude bereitet hat.

Was ich dabei gar nicht bemerkte, war wie ich mir selbst schleichend mein Korsett immer enger und enger schnürte. Je mehr ich in die Rolle des Glücks-Coaches schlüpfte, desto weniger erlaubte ich es mir auch meine (vermeintlich) negativen Gedanken und Gefühle zuzulassen. Einfach mal (grundlos) schlecht drauf sein oder negative Gedanken haben passte nicht mehr in mein Selbstbild.

Alles wurde in eine Ecke in meinem Kopf geschoben.

Nicht unbedingt zu empfehlen…

Es kam, wie es letztlich kommen musste.

Ich fiel erstmal in ein Loch.

Alles, was von uns keine Beachtung bekommt zieht sich erstmal beleidigt in seine stille eine Ecke zurück. Dort hat es dann ausreichend Zeit, sich zu sammeln und sich ganz genau zu überlegen, wie es denn nun unsere Aufmerksamkeit zurückbekommt. Und der Plan hat es in sich…

Ich habe mich erstmal vom Coaching und allem Social Media zurückgezogen und bin in mich gegangen. Glücklicherweise war ich noch angestellt und nicht darauf angewiesen, sodass ich einfach mal kurz nen Cut machen konnte.

Es war einfach mal mega befreiend, keine Rolle erfüllen zu müssen. Wieder zu spüren, wer ich eigentlich wirklich bin, wenn ich nicht krampfhaft versuche jemand zu sein.
Wieder zu fühlen. Alles!
Auch einfach mal wieder für einen Moment grumpy zu sein und mal sinnlos darin aufzugehen. Um dann nach kurzer Zeit das Pendel wieder in Richtung ‚Glücklich und Ausgeglichen‘ schwingen zu lassen. Ganz bewusst und so, wie es sich gerade richtig anfühlt. Bei mir bedarf es das einfach manchmal. Und das ist gut so! Vollkommen in Ordnung!

In dieser Phase habe ich ganz vergessen, warum ich eigentlich tat, was ich tat. Warum mir daran lag, Menschen zu unterstützen.
Ich wollte Ihnen zeigen, wie viel bereits jetzt schon in ihnen steckt. Wie viel Potenzial und Kraft bereits vorhanden ist. Gerade in der Hypnose sieht man das ja. Ich habe nie Bilder vorgegeben oder Worte in den Mund gelegt. Es kam alles aus der Person selbst.

Und genau das liebe ich!

Es ist alles schon da. In uns.

Aber für den Moment spüre ich, dass ich in der Position als Coach einfach nicht an der richtigen Stelle bin. Ich möchte Menschen inspirieren. Ihnen zeigen, dass sie auch glücklich sein können. Dass das ganz einfach und leicht ist.
Und das auf Augenhöhe. Gemeinsam. Denn auch ich bin noch lange nicht mit meiner Reise am Ende. Glücklich, ja. Aber da ist noch eine menge Luft nach oben.

Aber eine Sache habe ich aus diesem großen Tief gelernt.
Es ist okay zu fühlen.
Es ist okay, mal schlecht drauf zu sein.
Es ist auch okay, mal im Mimimi-Bad unterzutauchen.
Und es ist auch okay, wenn sich mal schlechte Gedanken einschleichen.

Es ist aber absolut nicht okay, sie abzuschieben und zu verdrängen.

Viel mehr dürfen wir sie einfach annehmen und spüren. Und dann erst können wir sie auch wirklich gehen lassen. Das machen sie dann fast von alleine, ohne dass wir den großen Rausschmeißer holen müssen.

Wie so oft im Leben: Ein wenig Beachtung und Annahme und wir sind alle gleich viel zufriedener.

Lass uns einfach mal kurz aufhören uns zu tode zu optimieren und einfach mal wieder ein bisschen mehr sein.

Glücklich und zufrieden werden wir dann nahezu von selbst.