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Seit April bin ich jetzt selbstständig.

Hätte mir das vor 5 Jahren jemand gesagt, hätte ich die Person mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit mit großen Augen angeschaut – und ausgelacht.
Ich?! Selbstständig?! Guter Witz!

Als Kind und Teeny hatte ich damit nie wirklich Berührungspunkte. In meinem Umfeld und auch im Freundeskreis meiner Familie gab es damals niemanden, der selbstständig war.
Ich kannte nur zwei (eigentlich sehr widerprüchliche) Punkte dazu:
– Selbst und ständig
– und ‚Die könne ja immer alles absetzen‘.

Beides sehe ich heute etwas anders, aber dazu später mehr. 😉

So habe ich den ganz klassischen Weg eingeschlagen und bin in die Laufbahn der Altenpflege eingetaucht. Zwar habe ich in den immerhin 12 Jahren, die ich den Beruf gemacht habe, unglaublich viel gelernt und ganz viele verschieden Arten und Facetten des Jobs kennen gelernt. Aber so wirklich zuhause habe ich mich da nie gefühlt.

Irgendwie wusste ich schon sehr früh, dass das Leben noch was anderes mit mir vorhat – ich habe damals nur einfach noch nicht sehen können, was.

Aber wie das Leben manchmal so spielt, kommen die Dinge, die zu uns kommen sollen früher oder später immer zu uns.

Und so lernte ich 2011 meinen Freund kennen – einen Selbstständigen.

Und ich wusste schnell: Darauf hätte ich ja nun wirklich mal so gar keine Lust!
Es sah nach aussen hin immer wie ein Kampf aus. Urlaub war so eine Sache, da in der Zeit ja nicht gearbeitet wurde, die Suche nach immer neuen Kunden war ein stetiger Begleiter und ich konnte den ganzen Tagesablauf irgendwie so gar nicht richtig greifen.
(Heute sieht die Welt bei ihm natürlich auch etwas lockerer und entspannter aus.)

Ich habe zwar durch den Schichtdienst und die Arbeit an Wochenenden und Feiertagen vieles im privaten Bereich verpasst, weil ich im Krankenhaus oder Pflegeheim sein musste – aber das war es mir wert. Dafür hatte ich wirklich frei, wenn ich frei hatte und konnte sicher sein, dass ich meine festen Tage Urlaub habe.

Der Perspektivwechsel

Aber eine Sache hatte ich schon immer in mir: ich bin super abenteuerlustig.

2015 sind wir nach Berlin gezogen. Spontan. Einfach so. Weil wir Lust dazu hatten.

Das erste Jahr blieb dann alles, wie gewohnt. Ich war weiter im Krankenhaus angestellt und mein Freund selbstständig.

Bis ich nach einem Jahr Berlin etwas ganz Neues kennen gelernt habe: Die Digitale Nomaden Szene. Und seit dem Tag wusste ich, was das Leben noch mit mir vorhatte. Ich wollte seitdem nichts sehnlicher, als selbstständig zu sein und überall auf der Welt arbeiten zu können.
Viele meiner Freunde und auch ein Teil meiner Familie haben glaube ich nich so ganz verstanden, wovon ich da eigentlich immer erzähle.

Aber ich begann meine Reise. Ich war vier Jahre auf der Suche und habe unglaublich viel ausprobiert, bis ich den Schritt im April diesen Jahres tatsächlich gehen konnte.

Ich bin auf dem Weg immer wieder meinem Herzen gefolgt und habe einfach genau das gemacht, was sich gerade richtig und gut angefühlt hat.
Jede Etappe hat mich lernen lassen.
Jede Etappe hat wieder einen neuen Pflasterstein erschaffen, der meinen Weg gebildet hat.
Jede Etappe hat mir gezeigt, was ich mir wünsche und vorstelle – und was nicht.

Bis sie schließlich in die virtuelle Assistenz führten. Hier fügten sich alle Puzzleteile zusammen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe. Ich bin angekommen.

Ob für immer? Das kann und will ich gar nicht sagen.

Warum ich nicht mehr zurück wollen würde

Ortsunabhängigkeit

Seit Jahren habe ich davon geträumt überall da arbeiten zu können, wo ich will. Einfach den Laptop aufzuklappen und loslegen zu können.

Jetzt gerade ist natürlich nicht unbedingt die beste Zeit für (uns) digitale Nomaden, da Reisen gerade nur sehr eingeschränkt möglich ist.

Aber die nächste längere Reise steht an: Im April kommendes Jahr sind wir für 5 Wochen auf Bali. Dort haben wir uns ein schönes Haus gemietet und können dort Arbeiten und Reisen wunderbar vereinen.

Tatsächlich wären wir eigentlich sogar schon in diesem Jahr dort gewesen, konnten aber aufgrund der aufkommenden Pandemie nicht fliegen und mussten umbuchen. Schade, aber nicht zu ändern. Das wäre für mich der perfekte Start in diesen Lifestyle gewesen, von dem ich jahrelang nur träumen konnte. Aber nächstes Jahr klappt es dann bestimmt.

Und ansonsten liebe ich es auch einfach zuhause zu arbeiten. Ich habe mir einen schönen Arbeitsplatz angelegt, an dem ich mich so richtig wohl fühle und gerne bin. Hätte ich einen Garten oder Balkon, würde ich (gerade jetzt im Sommer) sicher auch oft dort sitzen.
Aber so nehme ich mir den Laptop einfach hin und wieder mal mit in den nächstgelegenen Park:

freie Zeiteinteilung

Manchmal gibt es einfach Tage, an denen kommt man einfach nicht so richtig rein. Man setzt sich hin, klappt den Laptop auf – und es läuft einfach nichts.

Genau dann kann man den Laptop einfach wieder zuklappen – natürlich nur, sofern nicht gerade eine wichtige Deadline ansteht.

Oder es gibt Tage, an denen man gern einen Termin wahrnehmen würde, sich mit einer Freundin treffen, oder ein bisschen an die frische Luft möchte.
Gar kein Problem. Dann baut man die Arbeit einfach um diese Termin herum. Anstatt die Freizeit der Arbeit anzupassen.

Genauso passt es manchmal einfach besser, am Abend zu arbeiten, oder ganz früh in den Morgenstunden. Das ist natürlich immer typabhängig. Aber es ist einfach so schön, sich den Arbeitstag frei gestalten zu können und ihn seiner Produktivität und seinen Bedürfnissen anzupassen.

Selbst und ständig ist somit nicht unbedingt zutreffend, oder?

Lieblingskunden

Was ich ganz besonders liebe sind meine Kunden.

Während ich mich früher mit Kollegen rumschlagen musste, mit denen ich mich im privaten Alltag wahrscheinlich nie zusammengefunden hätte, habe ich heute eigentlich durch die Bank weg nur Kunden, mit denen ich mich auch privat auf einen Kaffe treffen würde.

Das ist für mich auch ein Kriterium. Bei meinen Kunden suche ich natürlich nicht nach meiner neuen besten Freundin, aber ich muss die Person mögen. Denn ich bin der Meinung, dass man nur wirklich gut zusammen arbeiten und wachsen kann, wenn man sich auch gut versteht und sich für den anderen interessiert. Wenn es eine Beziehung auf Augenhöhe ist und der gegenseitige Respekt vorhanden ist.

Das entwickelt sich natürlich auch mit der Dauer der Zusammenarbeit, aber in einem Kennenlerngespräch oder -Zoom merkt man ja doch recht schnell, ob die andere Person einem sympathisch ist.

Preisgestaltung

Eine der großen Fragen zu Beginn ist die Frage der Preisgestaltung.
‚Was bin ich eigentlich wert?‘

Um das auszurechnen gibt es viele verschieden Ansätze, Rechner und Herangehensweisen.
Aber fest steht: Deine Preise werden nicht von deinem Chef festgelegt, sondern von dir.

Ich habe mich auch ran getastet und immer wieder geschaut, was sich gerade für mich richtig und gut anfühlt. Das ist ein Prozess. Man wächst da recht schnell rein und lernt fix damit umzugehen.

Heute liebe ich das. Ich habe mein Einkommen selbst in der Hand. Ich kann selbst bestimmen, wie ich mich preislich aufstellen möchte und was meine Arbeit wert ist.

Lieblingsaufgaben

Und last but not least einer meiner Lieblingspunkte:
Die Aufgaben, die ich für meine Kunden übernehme machen mir auch wirklich Spaß.

Wie viel Zeit habe ich in meinem alten Job mit Aufgaben gefüllt, die mir so gar keinen Spaß gemacht haben?
Oder wie oft habe ich Dinge umgesetzt, die nicht immer unbedingt sinnvoll waren?

Da ist heute einfach so gar kein Thema mehr, da ich mir aussuchen kann, welche Dienstleistungen ich anbiete.

Denn die Aufgabenbereiche sind frei gestaltbar.
Ich möchte dieses oder jenes lernen? Dann mach ich das!
Ich kann mein Portfolio so frei und bunt gestalten, wie ich bin. Ich kann aber auch metertief in ein Thema eintauchen und mich fortan nur noch darauf konzentrieren.

Alles genau so, wie ich es brauche und es mir Spaß macht.

Mein kleines Homeoffice

Fazit

Ich glaube, es ist ziemlich deutlich geworden, warum ich mich in der Selbstständigkeit so pudelwohl fühle und mir derzeit so gar nicht vorstellen kann nochmal wieder in eine Anstellung zurückzugehen.

Sicher ist der Weg nicht immer der leichteste. Und sicher gibt es auch Tage, an denen absolut nicht alles rund läuft und die Motivation sich irgendwo verkrochen hat. Sicher braucht man hin und wieder mal etwas mehr an Disziplin, aber im Großen und Ganzen ist es einfach nur schön.