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Dilettant

In unserem Sprachgebrauch heute sicher nicht unbedingt eines der Worte, das bei uns nur positive Assoziationen weckt, oder?

Dilettanten werden schnell zu Pfuschern, die eigentlich nicht wirklich Ahnung von dem haben, was sie tun.
Oft sind Menschen gemeint, die nur oberflächliches Wissen haben – und nicht selten ist eigentlich auch ‚Stümper‘ gemeint.

Dabei ist der Ursprung des Wortes eigentlich mal ein ganz anderer gewesen.

Der Ursprung liegt im lateinischen ‚delectare‘. Was so viel bedeutet, wie ’sich erfreuen‘ und ’sich ergötzen‘.
Also Spaß an einer Sache zu haben.
Da war nie die Rede davon, auch direkt ein Vollprofi sein zu müssen.

Ganz im Gegenteil.
Denn gerade in der Vergangenheit konnten sich nur die „oberen Schichten“ leisten, Dinge einfach mal nur so zum Spaß zu machen und nicht, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie konnten ihre viele Freizeit so gestalten, wie sie es wollten und waren nicht darauf angewiesen, jede Sekunde gezielt zu nutzen, um zu (über-) leben.

Irgendwann wurden aus der damaligen Gesellschaft unsere heutige Leistungsgesellschaft. (Wobei, war nicht jedes Zeitalter eigentlich eine reine Leistungsgesellschaft?) Es wird verglichen und immer geschaut, was der andere (besser) kann und wo noch Optimierungsbedarf besteht.

Anstatt einfach mal unser Ding zu machen, schauen wir nach links und rechts und fragen uns immer wieder, wie wir noch schneller, höher und weiter springen können.

Einfach mal machen

Dabei ist doch genau das so schön: einfach mal irgendwas machen.
Nur weil es gerade Spaß macht.
Ohne uns rechtfertigen zu müssen.
Ohne das Ergebnis später mit irgendwem teilen zu müssen.
Die Kreativität mal fließen lassen und uns ganz dem Strom der Ideen hingeben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Hermann Hesse

Und dieser Zauber kann und darf auch entstehen, wenn wir immer und immer wieder ‚das gleiche‘ Projekt starten.
Wenn wir z.B. gern malen, können wir sie bei jedem neuen Bild wieder spüren.
Die Freude. Die Leichtigkeit. Die Magie.

Im Grunde genommen müssen wir ja nicht mal unbedingt irgendwem davon erzählen, dass wir uns gerade in einem (neuen) Hobby ausprobieren.

Wenn wir nicht wollen, dass jemand davon erfährt, dann muss das auch niemand.

Klar lässt es sich vielleicht nicht unbedingt vor unserem Partner oder den Menschen im eigenen Haushalt verbergen – aber das muss es ja auch nicht.

Wenn man offen kommuniziert, dass man sich gerade mal ausprobiert und das auch einfach nur für sich machen möchte, dann sollte das doch eigentlich von jedem akzeptiert werden, oder?

Also bei meinem Freund und mir funktioniert das auf jeden Fall genau so. Wenn jemand Raum für sich braucht, dann bekommt er den auch. Zumindest, soweit das in unserer 2-Zimmer Wohnung möglich ist.

Was kann man denn so machen?

Während ich diese Zeilen hier tippe, komme ich gar nicht drumherum, mich zu fragen, wann ich das letzte Mal Dilettant war.

Und ich muss dir ehrlich sagen: So ganz genau weiß ich das auch gerade nicht.

Durch meine Natur als ‚Scanner Persönlichkeit‘ probiere ich aber im Allgemeinen immer sehr viel aus und ändere die Art, wie ich Lebe eigentlich sowieso andauernd.

Zuletzt habe ich an meinem Geburtstag im Juli ein Malbuch für Erwachsene bekommen (Kackende Tiere… 😅) und seit der Kindheit das erste Mal wieder Buntstifte in der Hand gehabt. Kurz darauf habe ich mir noch zwei weitere Malbücher für mehr Abwechslung gekauft.

Unerwarteterweise hat mir das nämlich auf Anhieb total viel Freude bereitet. Es hat mich direkt entspannt.
Und da ich weiß, dass ich meine ‚Werke‘ höchstwahrscheinlich nicht in einrahmen und an die Wand hängen werde, kann ich den Prozess total genießen. Ganz ohne dafür Lob bekommen zu müssen, oder dass irgendwer nach meinen fertigen Bildern fragt.

Hier male ich ganz gemütlich in meinem Malbuch. Swipe einfach mal nach rechts, um das erste fertige Bild zu sehen.

Go for it!

Also lasst uns alle mal wieder dilettantischer werden.

Schließlich hat jeder seinen Job, in dem er (hoffentlich) das Geld verdient, was er zum Leben benötigt.
Da ist es mehr als vertretbar in der Freizeit genau das zu machen, was uns Freude bereitet.

Ganz ohne Zwänge, Druck oder Verpflichtung.

Lasst uns mal einen Schritt zurück gehen und Leistung und Freude etwas voneinander entkoppeln.
Einfach mal wieder Freude an den Dingen haben, die uns auch tatsächlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Und wenn wir doch anderen davon erzählen und sie daran teilhaben lassen möchten?
Dann go for it!