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Vor kurzem kreuzte eine neue Doku über Social Media meinen Weg. Wenig überraschend erfuhr ich davon übrigens auch via Social Media – in einer Insta-Story, um genau zu sein.

Die Person, die diese Story teilte hat sich letztlich doch etwas anderes angeschaut, sodass ich sie mir am vergangenen Wochenende völlig unvoreingenommen angesehen habe.

Wenn auch du dir diese Doku unvoreingenommen ansehen möchtest, dann rate ich dir davon ab jetzt weiterzulesen, da ich klaren Bezug auf die Handlung und Meinungen nehmen werde.

Vielleicht fragst du dich aber auch, ob es sich lohnt reinzuschauen. Dann kannst du den Artikel natürlich auch super gern vorher schon lesen.

Der Anfang

Tatsächlich hatte ich beim Beginn der Doku nich geplant, dass ich etwas darüber schreibe, von daher kann ich mich auch nicht mehr ganz exakt daran erinnern, wie die ersten Minuten waren.

Aber ich erinnere mich noch daran, wie interessant ich die erste halbe Stunde fand. Es ging darum, wie Social Media programmiert ist und warum es (augenscheinlich) kostenlos ist.

Es wurden Menschen vorgestellt, die u.a. bei Google, Pinterest, Facebook und Instagram gearbeitet haben und diese erzählen über diverse Faktoren in Bezug auf die Arbeit von und in diesen Unternehmen.

Meine Social Media Erfahrung reicht schon eiiinige Jahre zurück. Ich denke ich war 17 oder 18, als ich mich das erste Mal bei Pi:Inside angemeldet habe. Das war so eine Art Mini-Facbook für den Stadtkreis, in dem ich aufgewachsen bin. Gar nicht so viel später kam dann das richtige Facebook dazu und vor ca. fünf Jahren dann Instagram.

Also seit ca. 12/13 Jahren ist Social Media immer in der ein oder anderen Form ein Bestandteil meines Alltags gewesen.

Mir macht es Spaß und ich habe darüber so vieles gelernt. Sei es über Profile, die sich mit Themen befasst haben, über die ich noch nichts, oder nur sehr wenig wusste, oder über Gruppen, in denen keine Frage ungelöst blieb. Ebenso habe ich darüber Ereignisse geplant und war so immer up to date, was den Stand der Teilnehmenden und der Organisation auf einen Blick sehr übersichtlich macht.

Eine Sache war mir allerdings tatsächlich nicht bewusst:

Wenn du nicht für das Produkt bezahlst bist du das Produkt

Mir war natürlich nicht neu, dass diese Plattformen sich weitestgehend über Werbung finanzieren, aber ich hatte nie so richtig auf dem Schirm, dass es mich als Nutzer zum eigentlichen Produkt macht.

Nur durch mich ist es überhaupt möglich, es kostenlos zu nutzen.

Ich zahle lediglich mit meinem Dasein. Mit der Art und Weise, wie ich Scrolle, interagiere, reagiere und mich auf der jeweiligen Plattform verhalte. Dem Algorithmus entgeht nichts.

Nun gut. So überraschend und neu ist diese ‚Erkenntnis‘ nun auch wieder nicht. Wie gesagt: sie war mir einfach bislang nur noch nicht so richtig bewusst gewesen.

Mehr Reportage als Doku

Das war also die erste halbe Stunde. Ja okay, recht interessant.

Was ich von Beginn an in einer ‚Doku‘ befremdlich fand, war, dass sie als Stilelement geschauspielerte Sequenzen eingefügt haben. Man begleitet über die Spieldauer verteilt eine Familie mit drei Kindern.

Eltern, die sich kaum etwas zu sagen haben. Und die drei Kindern. Die Älteste lehnt das Handy im Grunde genommen komplett ab. Der Teenager nutzt es schon regelmäßiger und die pubertierende Tochter kann ohne quasi gar nicht mehr leben.

Neben den Einblendungen der O-Töne und vieler bewegter Hintergundbilder tauchen immer wieder Sequenzen mit dieser Familie auf und der Zuschauer beobachtet, wie Handys und die sozialen Netzwerke auf verschiedenen Ebenen großen Schaden in dieser Familie anrichten.
Als Zuschauer haben wir sogar Einblick in die Schaltzentrale des Algorithmus des Teenagers.

Was mich anfangs irritiert hat, zeigte im Verlauf der Doku ganz deutlich, dass es sich hier nicht um eine objektive Darstellung der Sozialen Medien handelt. Vielmehr ist es eine Reportage, die selbst genau das macht, was sie eigentlich in 90 Minuten als so gefährlich darstellt: Sie propagiert es als etwas vollkommen schlechtes und spricht eine klare Empfehlung aus, sich dort abzumelden.

Diesen Punkt fand ich persönlich besonders spannend, da es sich ja um ein Netflix-Original handelt.
Was war der Gedanke bei dieser Reportage? Tatsächlich mehr Menschen aufzuklären, oder aber den Menschen mehr Zeit zu verschaffen, um fleißig Binge-Watching zu betreiben?

An sich bin ich super gern auf Netflix und liebe so einige der eigens für sie Produzierten Dokus, Serien und Filme. In diesem Fall bin ich aber der Meinung, dass sie in diesem Fall etwas daneben gegriffen haben.

Verschwörungstheorien und andere Extreme

Es ist ja nicht so, dass sie mit den angesprochenen Punkten falsch liegen. Ganz im Gegenteil. Sie haben recht.

  • Es kann dazu führen, dass gerade junge Menschen beginnen, sich mit einem optischen Bild identifizieren zu wollen, das fernab der Realität liegt.
  • Es kann dazu führen, dass Menschen, die gerade selbst nicht wissen, was sie denken sollen, sich Gruppierungen anschließen, von denen sie sich lieber fernhalten sollten.
  • Es kann dazu führen, dass sich Fake-News und Verschwörungstheorien schneller verbreiten.
  • Es kann dazu führen, dass Menschen zunehmend realitätsferner werden und sich immer mehr im Netz verlieren.

Aber ein entscheidendes Wort liegt in all diesen Punkten: Und zwar das Wort ‚kann‚.

Was ich persönlich gar nicht mag sind Absolute. Und in diesen 90 Minuten war dieses Wort ‚kann‘ im Grunde genommen nicht existent.

Richtung Ende gaben viele der Interviewten an, dass sie ihren Kindern (hier ist wenig über das Alter derer bekannt) nur sehr wenig, bis keine Zeit am Handy und in den Sozialen Medien erlaubten und sie am liebsten davon fern halten würden. Aus eben all diesen genannten Gründen.

Ich Frage mich, ob das wirklich die Lösung des Problems und nicht nur eine Verschiebung dessen ist.

Insta-Live
Hier mache ich gerade eine Instagram-Story vor dem Berliner Dom.

Was macht man jetzt damit?

Nun. Was man einmal gesehen hat, kann man nicht mehr ungesehen machen.

Tatsächlich bin ich aber ganz froh, dass ich mir diese Reportage einmal angesehen habe. So hatte ich einmal die Gelegenheit mein eigenes Bild über Social Media einmal zu überdenken. Ich habe innerlich oft zugestimmt, aber noch öfter widersprochen. Ich habe innerlich diskutiert und mich gefragt, wie ich das eigentlich sehe.

Ich selbst muss sagen, dass ich dankbar bin für das, was sich mir durch Social Media und Co eröffnet hat. Ich bin dankbar für die Menschen, die ich darüber kennengelernt habe und auch für die Beziehungen, die sich dadurch erst so richtig vertiefen konnten. Ich bin dankbar, dass ich mich mit all meinen Facetten dort zeigen und auch anderen Menschen Mut machen kann, so zu sein, wie sie sind.

Wie bei fast allem im Leben stellt sich auch hier die Frage, wie man etwas nutzt. Die Dosis macht ja bekanntlich das Gift.

Mal gemütlich ein Glas Wein macht ja niemanden direkt zum Alkoholiker, oder?

Nur ganz wenige Minuten der Reportage gingen tatsächlich in eine positive Richtung. In die der Möglichkeiten und Innovationen. Das fand ich persönlich sehr schade.

Denn ich bin der Meinung das Social Media so viel mehr ist, als das, was zum Ausdruck gebracht wurde.
Ich nutze es sehr gerne.
Und ich werde es auch weiterhin sehr gerne nutzen.

Wichtig ist nur, gezielt zu konsumieren. Und damit meine ich nicht nur Nachrichten und fachliche Inhalte. Vor allem meine ich damit, dass man Menschen und Seiten folgt, die einem gut tun. Ganz gleich, ob das in Form von Unterhaltung oder Wissensvermittlung passiert.
Das sollte grundlegend gegeben sein.

Wenn das gegeben ist, dann kann und darf Social Media auch ein wahrer Genuss sein und bleiben.


Kurze Anmerkung: Dies hier ist lediglich meine ganz persönlich Meinung dazu. Es ist absolut in Ordnung, wenn du diese nicht vertrittst und anders denkst. Ich bin weder Mediziner noch Wissenschaftler, sondern einfach nur eine junge Frau, die gerne mal ihre Meinung teilt.

Social Media Doku